Verein Zirkus ohne Wildtiere
über das Wohlbefinden von asiatischen Elefanten in der Wildnis und in Gefangenschaft

Verhalten Krankheiten / Dressur fortschrittliche Haltung

 

Vom Aussterben bedroht

 

Zoo Zürich, 2006

Afrikanische (Loxodonta africana) und asiatische Elefanten sind zwei unterschiedliche Arten und unterscheiden sich in ihrem Aussehen und Herkunft. Der auffallendste Unterschied ist, dass afrikanische Elefanten viel grössere Ohren besitzen, zudem befinden sich an ihrem Rüsselende zwei "Finger" statt einen. Afrikanische Bullen und Elefantenkühe besitzen beide Stosszähne.
Asiatische Elefantenkühe wie sie der Zirkus Knie besitzt, haben im Gegensatz zu den Afrikanischen keine Stosszähne, sondern nur kleine Stifte. Zudem sind sie auch ein wenig kleiner als die afrikanischen Verwandten.
Die asiatische Art ist weniger aggressiv und dank ihres gutmütigen Charakters besser "haltbar". Das könnte ein Grund sein, wieso vor allem diese Art in europäischen Zoos und Zirkussen gehalten wird.
Das Gewicht der Elefanten kann sehr unterschiedlich sein. Es hängt davon ab, ob das Tier in Gefangenschaft oder in der Wildnis lebt. In Zoos und Zirkusse können asiatische Elefantenkühe 4,8 Tonnen (4'800 kg) schwer werden, und Bullen 6,5 Tonnen. Afrikanische Elefanten bringen noch mehr auf die Waage. Wilde Elefanten hingegen werden selten so gross. Das Angebot an Nahrung, Trinkwasser und medizinischer Versorgung spielen eine wichtige Rolle. So erreichen wilde asiatische Bullen nur ein Gewicht von 5,4 Tonnen, die Weibchen 2,7 Tonnen. Dasselbe gilt für afrikanische Elefanten, die in der Wildnis 6 Tonnen (Bulle) und 3 Tonnen (Kühe) erreichen.

Sowohl die afrikanischen wie auch die asiatischen Elefanten sind vom Aussterben bedroht.
Beim asiatischen Elefanten sind die saisonalen Wanderungen durch Siedlungen und Strassen verunmöglicht. Durch die Bevölkerungszunahme und die Abholzung des Waldes für landwirtschaftliche Nutzung wurde der ursprüngliche Lebensraum dieser Tiere zerstückelt. Die heute noch bestehenden Populationen sind zusätzlich gefährdet, wegen ihrer geringen genetischen Variabilität, was Erbkrankheiten begünstigt.
Der afrikanische Elefant, das grösste noch lebende Landsäugetier der Welt, wurde lange wegen seiner Stosszähne (Elfenbein) gejagt und getötet. Im Jahr 1970 lebten in Kenia etwa 167'000 Elefanten, 1980 waren es 60'000 und 1989 waren es nur noch 22'000. Erhebungen ergaben, dass zwischen 1979 und 1989 Afrikas Elefanten-Population durch die Elfenbein-Jagd auf weniger als die Hälfte reduziert wurde, währenddessen die menschliche Population sich mehr als verdoppelte. Der Zoologe Dr. Iain Douglas-Hamilton hat früh über dieses Massaker berichtet und dazu beigetragen, dass der Elfenbein-Handel 1989 verboten wurde.
Der afrikanische Elefant ist aber immer noch bedroht. Der Mensch breitet sich innerhalb den von Elefanten bewohnten Gebieten aus. Somit sind Konflikte unvermeidbar. Die Tiere werden illegal erschossen, weil sie sich manchmal Nahrung auf den Feldern der Bauern suchen.
Zurzeit sind Elefanten in Süd-Afrika und in geschützten Gebieten zahlreich, während sie in grossen Teilen Zentral-Afrikas kritisch vom Aussterben bedroht sind. Die Einstellung der Menschen bleibt widersprüchlich und variiert von Abneigung seitens der afrikanischen Bauern, Gleichgültigkeit von den meisten Einheimischen bis zur Toleranz der Masai und Samburu und letztendlich Verehrung durch die Safari-Touristen. Würden die Menschen Elefanten als wichtig erkennen, sei es als kulturelles "Kapital", wäre man der Lösung zu diesem Konflikt schon einen Schritt näher.

 

Bücher über afrikanische Elefanten von Cynthia Moss
Moss hat für mehr als 30 Jahre afrikanische Elefanten beobachtet und sich für ihr Schutz in Afrika eingesetzt.
http://www.elephanttrust.org/book_store.htm

Homepage von Save the elephants
Ein Projekt vom Zoologe Dr. Iain Douglas-Hamilton zum Schutz der afrikanischen Elefanten. Douglas-Hamilton analysiert das Sozial-Verhalten der afrikanischen Elefanten seit den 60'.
http://www.savetheelephants.com

Was unterscheidet Wildtiere von Haus- und Nutztieren?

Die Domestikation einer Tierart über Jahrtausende ist nicht gleich zu setzen mit der Zähmung eines einzelnen Wildtieres während seiner Lebensspanne.
Domestizierung oder Domestikation ist ein innerartlicher Veränderungsprozess von Wildtieren, bei dem diese über Generationen hinweg genetisch isoliert von der Wildform vom Menschen gehalten werden. Die natürliche evolutionäre Entwicklung wird durch künstliche Auswahl des Menschen nach Zuchtkriterien wie zum Beispiel eine geringere Aggressivität gegenüber Artgenossen und Menschen ersetzt.
Bei der Domestikation adaptiert sich eine Tierart am Menschen und seiner Umgebung durch:

  • genetische Veränderungen über Generationen und

  • Umwelt induzierte Entwicklungsgeschehnisse während jeder Generation

Zweck der Domestizierung ist die Verwendung als Nutz- oder Heimtier.
Vor rund 12.000 Jahren haben Menschen angefangen, grössere Gruppen von Wildtieren so an sich zu gewöhnen, dass sie sich über Generationen hinweg in Gefangenschaft vermehrten. Die ersten Arten im eurasiatischen Raum waren Hund, Schaf und Ziege. Die Züchtung erfolgte unterschiedlich intensiv und über verschieden lange Zeiträume. Von über 6000 Säugetierarten und 8500 Vogelarten wurden nur etwa 50 domestiziert.
Unsere Hunde stammen vom Wolf ab. Mehrere Jahrtausende Domestikationsprozess brachten es zu der heutigen Vielfalt an Hunderassen. Aufgrund diverser Knochenfunde sind manche Forscher überzeugt, dass die Zähmung und Domestizierung der Wölfe vor 14.000 bis 18.000 Jahren stattgefunden hat. Wie können Archäologen Wolfsknochen von Hundeknochen unterscheiden? Wichtigstes und sicherstes Merkmal sind die Grösse des Schädels und die Stellung der Zähne. Die Domestikation geht immer mit einer Verkleinerung des Schädels einher. Genetische Untersuchungen ergaben, dass die Hundedomestikation bis 40'000 Jahre zurückliegen könnte. Katzen wurden später domestiziert, erst vor 3'000 bis 4'000 Jahren. Der Grund könnte gewesen sein, dass sie im Gegensatz zum Hund Einzelgänger sind und in der Dämmerung und nachts jagen.

Einige Beispiele von domestikationsbedingten Veränderungen bei Tieren sind folgende:

  • Färbung von Haut, Fell, Haaren, Federn und Hörnern
    Diese Merkmale ändern sich durch die Zucht am schnellsten. Möglich ist auch das Verschwinden/Reduzieren von Fell (Hausschwein) und Federn (Nackthuhn).

  • Veränderungen der Fett- und Muskulaturverteilung
    Faltenbildung, Hängeohren, mehr oder weniger Muskulatur und Fett. Die heutigen Hausschweine wurden durch Domestizierung aus dem Wildschwein gezüchtet. Noch im Jahr 1920 waren Schweine mehr rundlich und sehr fett. Heute ist ihr Fettanteil bereits um 50% reduziert.

  • Umstrukturierung des Skeletts
    Zwerg- oder Riesenwuchs.

  • Zunahme der Fruchtbarkeit
    Haustiere sind früher geschlechtsreif als Wildtiere und ihre Reproduktionsleistung ist höher. Alle Haustiere sind folglich Unterarten (Rassen) der wild lebenden Vorfahren und bleiben mit diesen fruchtbar. Zum Beispiel sind die Weibchen der Wölfe nur einmal pro Jahr fruchtbar, während die heutigen Hunde zweimal pro Jahr fortpflanzungsfähig sind. Wolf und Hund können sich jedoch erfolgreich paaren.

  • Änderungen des Verhaltens
    Warn-, Flucht-, Verteidigungs- und Brutpflegeverhalten sind weniger gut entwickelt, während die sexuelle Reaktionsbereitschaft um ein Vielfaches gesteigert sein kann.

  • Reduktion von Hirngrösse und Sinnesleistungen
    Die Gehirnmasse kann durch Domestikation bis zu 20-30% reduziert sein, insbesondere die Gehirnareale, die für die Verarbeitung der Sinneseindrücke bedeutsam sind. Geruchssinn und Sehkraft bei manchen Haustieren sind schlechter entwickelt als bei ihren Vorfahren, auch ihr Hörvermögen (Hörschwelle) ist gegenüber den Wildformen herabgesetzt. Die Hirngrösse konnte sich von Generation zu Generation verringern, weil dieser Verlust die Überlebenschancen des Tieres nicht unbedingt beeinträchtigte.
    In der Wildnis ist dies meistens nicht der Fall. Besteht eine genetische Variabilität innerhalb einer Tierart, sind die Chancen für das Überleben und/oder die Fortpflanzung der Individuen unterschiedlich. Manche erblichen Merkmale sind oft vorteilhafter als andere. So begünstigt die natürliche Selektion über die Generationen jeweils die "besten" Individuen. Diese haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit ihr Erbgut der Folgegeneration weiter zu geben (also sich fortzupflanzen).

Elefanten sind keine domestizierten Tiere. Denn sie wurden nicht über Jahrtausende hinweg vom Menschen gezielt auf gewisse Merkmale gezüchtet. Die meisten Tiere, die sich in der Schweiz befinden, sind Wildfänge, die gezähmt wurden. Die Jungtiere, die hier in der Schweiz geboren wurden, kann man auch nicht als domestiziert bezeichnen, denn eine Generation reicht für eine Domestizierung nicht aus (vgl. Wolf & Hund).
Arbeitselefanten in Asien waren auch Wildfänge, denn man konnte die Elefanten nicht vor dem 5. Lebensjahr einsetzen. Die Fortpflanzung in Gefangenschaft lohnte sich nicht, man hätte sie zuerst 5 Jahren lang füttern müssen. Deswegen war es ökonomisch vorteilhafter einen Elefant aus der Wildnis zu fangen. Erst in den letzten Jahren wurden diese Wildfänge in den meisten asiatischen Ländern verboten (ausser in Burma), illegal werden sie immer noch gefangen. Die Aufzucht in Gefangenschaft nimmt jetzt zu. Trotzdem, auch wenn sich jetzt mehr Arbeitselefanten in Gefangenschaft vermehren, geschieht das erst seit maximal 30 Jahren, also etwa 2 Generationen. Deshalb kann man nicht von Domestizierung sprechen, auch wenn sie gezähmt sind und seit tausenden von Jahren trainiert werden auf Kommandos zu antworten. Zudem werden die Elefantenkühe in den Arbeitslagern hauptsächlich von wilden Bullen befruchtet, da sie nachts frei in den Wäldern herum wandern.

Von den sieben asiatischen Elefanten, die sich im Zürcher Zoo befinden, sind 3 Jungtiere, welche im Zoo geboren wurden. Die älteren vier Tiere hingegen stammen aus Thailand, Sri Lanka, Burma und Bhutan. Die 1986 in Burma geborene Indi kam 1999 vom Zirkus Knie zum Zoo Zürich wegen ihrem etwas hektischen Temperament und ihrer sozialen Art als "schwer erziehbarer" Zirkuselefant.
Dasselbe Bild zeigt sich beim Zirkus Knie und beim Kinderzoo in Rapperswil. Zurzeit befinden sich sechs asiatische Elefanten auf Tournee. Drei davon wurden in Burma, eine in Hannover geboren. Über die Elefantenkühe Ceylon und Siri finden sich keine Angaben. Der Name lässt es aber erahnen. Die restlichen vier Elefantenkühe befinden sich in Rapperswil. Claudy wurde in Thailand geboren, ihre Tochter Sandry in Rapperswil. Von Sumatra und Patma gibt es keine Angaben.

Evolution: Elefanten sind an ihre natürliche Umgebung angepasst

Während ihrer evolutionären Blütezeit und bis vor zwei Millionen Jahren verbreiteten sich die Elefanten überall, ausser in Australien, Neuseeland und der Antarktis. Sie bewohnten sehr unterschiedliche Gegenden (Habitate), von der Wüste bis zu den Wäldern. Bei einem bestimmten Verdauungssystem ermöglichen Unterschiede im Stoffwechsel-Umsatz, dass grössere Tiere weniger nahrhafte Pflanzenteile fressen können als kleinere. Um die Konkurrenz mit anderen Tieren zu verringern, begünstigte die natürliche Selektion die Vergrösserung ihres Körpers. Nahrhaftes Futter wie Früchte, gibt es nur in gewissen Jahreszeiten, zudem ist es selten und verstreut. Weniger nahrhaftes Futter hingegen, ist zeitlich und räumlich mehr verbreitet.
Der Rüssel der Elefanten ist ein sensibles Riechorgan. Man kann Elefantenherden beobachten, wie ihren Rüssel bei Windstoss hoch hinauf heben. Damit können sie Gefahr im Voraus riechen und erkennen. Er wird aber auch wie eine Hand benützt: Für Nahrungszubereitung, zur Aufnahme der Nahrung, um ein Objekt zu heben oder abzutasten. Zum Beispiel kann der Rüssel bis 8 Liter Wasser aufnehmen, um diese dann ins Maul zu leeren (Elefanten trinken nicht durch den Rüssel).

Die Tiere haben sich im Laufe der Evolution über Jahrtausende ihrer natürlichen Umgebung angepasst. Angepasst bedeutet, dass das Verhalten und der Körperbau für eine spezielle Lebensart optimiert wurden. Die körperlichen Voraussetzungen und die potentiell vielfältigen Verhaltensmuster für ein Leben in der Wildnis sind vorhanden, können aber in Gefangenschaft nicht immer artgerecht ausgelebt werden. Bei Andauern dieses Defizits leiden die Tiere, was sie wiederum auch anfälliger für Krankheiten macht.

Gehirn und kognitive Fähigkeiten

 

Zoo Zürich, 2006

Elefanten sind intelligente Tiere. Das Gehirn eines Elefanten und das Volumen seiner Grosshirnrinde für die kognitive Verarbeitung sind die Grössten von allen lebenden und ausgestorbenen terrestrischen Säugetieren (Hart, 2001). Das Gehirn von neugeborenen Elefanten wiegt 50% eines erwachsenen Gehirns (bei neugeborenen Menschen ist es 25%). Das Gehirn von asiatischen Elefanten wiegt im Durchschnitt 5 kg. Es wurde aber auch schon ein Gewicht von 7,5 kg bei einem asiatischen Weibchen gewogen. Ein afrikanischer Bulle erreichte sogar 9 kg Hirnmasse (Shoshani et al, 2006). Zum Vergleich, wiegt das Gehirn des Menschen im Durchschnitt 1,4 kg und das von Schimpansen 0,44 kg.
Asiatische Elefanten (Elephas maximus) besitzen das grösste Volumen an Grosshirnrinde (die äussere, an Nervenzellen reiche Schicht des Grosshirns) von allen terrestrischen Tierarten (Hart, 2001). Ein Zeichen ihres kognitiven Verhaltens ist der Einsatz und das Herstellen von Werkzeugen.
Werden wilde Elefanten von Fliegen geplagt, bedienen sie sich eines Zweiges, um die lästigen Fliegen von ihrem Körper fern zu halten. Oft wird ein Ast mit einem Fuss festgehalten und mit dem Rüssel wird ein Zweig weggerissen. Erhalten in Gefangenschaft gehaltene asiatische Elefanten Äste, zeigen sie dasselbe Verhalten. Daraus kann man schliessen, dass dieses Verhalten angeboren ist.
Das Herstellen, Modifizieren und Benützen von Werkzeugen zusammen mit der Tatsache, dass Elefanten eine grössere Grosshirnrinde als jegliche Primaten besitzen, scheint diese Tierart im Hinblick auf ihre kognitiven Fähigkeiten und Intelligenz in die Kategorie der Menschenaffen zu platzieren. Bei den Primaten sind es nur die Schimpansen und die Orang-Utan, die Werkzeug herstellen und regelmässig benützen (Hart, 2001).
Einige weitere interessante Beispiele zur Werkzeugbenützung sind hier noch genannt. In einem Park wurde eine neue Strasse gebaut. Sie wurde benützt, um die überschüssigen Elefantenbestände zu erlegen. Folglich haben die Elefanten Äste, die sich in der Nähe befanden zur Strasse gebracht und sie dort zu einem Haufen aufgetürmt bis der Zugang gesperrt war. Nachdem die Menschen die Äste entfernt hatten, wiederholten die Elefanten die Aktion ganze vier Mal (Chevalier-Skolnikoff, 1993). Mit zerkauter Rinde wurden während der Dürre selbst gegrabene Löcher wieder verschlossen, wahrscheinlich um andere Tierarten daran zu hindern, diese zu benützen (Gordon, 1966). Elefanten wurden auch gesichtet, Äste auf einen Zaun zu stapeln, damit dieser zusammenbrach und sie hinüber steigen konnten (Grzimek, 1969). Eindrücklich sind die Fälle, in denen als Gegenstände andere Elefanten benützt wurden. Dabei haben grosse Elefantenbullen junge Bullen regelrecht hochgehoben und sie gegen den Zaun geworfen oder in anderen Fällen gestossen, so dass der Zaun zusammenbrach und es den Elefanten ermöglichte durchzugehen. In Gefangenschaft wurde beobachtet wie Elefanten mit dem Rüssel Objekte oder Dreck gegen Vögel warfen (und diese auch trafen), welche versuchten ihr Futter zu stehlen. Oder sie fegten mit Ästen eine Stelle am Boden sauber, damit sie auf gereinigtem Grund ihre bevorzugte Nahrung (Früchte) deponieren konnten (Chevalier-Skolnikoff, 1993).
Speziell bei Elefanten ist ihr Temporallappen (auch Schläfenlappen oder Lobus temporalis genannt). Das ist einer der fünf Lappen des Grosshirns. Der Temporallappen der Elefanten ist noch mehr gewölbt als beim Menschen, so dass die aktive Oberfläche stark vergrössert ist. Man vermutet, dass diese Besonderheit der Aufbewahrung von folgenden Informationen diene:

  • Verhalten und Erkennen der Identität von Artgenossen. Manche Verhaltensmuster scheinen zu bestätigen, dass Elefanten die Fähigkeit besitzen, sich vorzustellen, wie sich andere Elefanten fühlen

  • Erfahrungen mit Dürre (um alte Wasserstellen wieder ausfindig zu machen)

  • Erinnerungen an gefährliche Orte und Situationen

  • Erinnerungen an Orte, wo Futter vorhanden war

So können Elefanten, dank ihrem gut entwickelten Gehirn, auf eine "grosse Landschaftskarte" zurückgreifen.

Umgang mit toten Artgenossen

Schon vor Jahren wurde beobachtet wie afrikanische Elefanten mit ihrem Rüssel einer bekannten toten Artgenossin Futter in den Mund stopften, wahrscheinlich ein Versuch, sie zu reanimieren, und wie Elefanten tote Artgenossen mit Erde teilweise bedeckten (Chevalier-Skolnikoff, 1993). Welche Beziehung haben Elefanten zum Tod?
Ein Mysterium im Leben der Elefanten ist immer noch der Umgang der Lebenden mit den Toten. Treffen sie auf Knochen und Kadaver von Elefanten, verbringen sie Stunden diese zu inspizieren. Sie schnüffeln an den Überresten, heben die Knochen auf und stecken sie in ihren Mund, wahrscheinlich um den Geschmack zu identifizieren, oder tragen sie auf ihren Köpfen herum.
Im Amboseli National Park (Afrika) haben Forscher kürzlich 17 Elefanten-Familien einen Elefantenschädel, einen Nashorn- und einen Büffelschädel präsentiert. Die Objekte wurden 25 Meter vom nächsten Elefanten platziert, dann entfernten sich die Forscher, um die Reaktion zu beobachten. Die Elefanten zeigten beachtliches Interesse an dem Elefantenschädel, indem sie ihn mit ihrem Rüssel abtasteten, daran rochen und manchmal mit ihren Füssen leicht berührten. In einem andern Test mit 19 Elefantenfamilien wurde ein Elefantenschädel, ein Stück Holz und ein Stück Elfenbein benützt. Die Tiere zeigten eine starke Vorliebe (Präferenz) für den Schädel gegenüber den anderen zwei Objekten, und für das Elfenbein gegenüber dem Holz. Sie zeigten aber keine signifikanten Unterschiede im Verhalten gegenüber verstorbenen Verwandten und Nicht-Verwandten (McComb, 2005).
Der Grund dafür könnte sein, dass Elefanten ihr Mitleid, wie der Mensch, nicht nur an Verwandten, die erkrankt, am Sterben oder bereits gestorben sind zeigen, sondern auch an fremden Elefanten. Das bestätigen aktuelle Beobachtungen des Zoologen Dr. Iain Douglas-Hamilton, der seit den 70er Jahren wissenschaftliche Studien über das soziale Verhalten von afrikanischen Elefanten durchgeführt hat. Iain Douglas-Hamilton beschreibt in seiner neusten Publikation, wie die Matriarchin Eleanor der First Ladies Familie im Samburu National Reservat (Afrika) starb. Als Eleanor zusammenbricht eilt nach nur zwei Minuten Grace, eine Matriarchin einer anderen Familien-Gruppe zu ihr. Sie beschnuppert und tastet den Körper von Eleanor mit dem Rüssel und den Beinen ab. Danach hilft sie mit ihren Stosszähnen Eleanor auf die Beine. Diese kann kurz wieder aufstehen, kollabiert aber wieder, wobei Grace eine grosse Anspannung zeigt, Töne von sich gibt und immer wieder Eleanor stösst. Eleanor kann nicht mehr aufstehen und Grace bleibt noch mindestens eine Stunde bei ihr, auch als Graces Familie weiterzieht. Eleanors Familie (First Ladies) befindet sich zu diesem Zeitpunkt mehr als 1,5 km entfernt und ahnt wahrscheinlich nicht, dass ihre Matriarchin gefallen ist. Am Morgen danach macht sich die First Ladies Familie auf den Weg zu Eleanor. Eleanor stirbt. Maya, die zur Familie der First Ladies wie Eleanor gehört, verbringt 7 Stunden beim toten Körper. Eine fremde Elefantenkuh nähert sich dem leblosen Körper, schnüffelt an ihm und tastet ihn ab. Mit einem Vorderbein schüttelt sie den Körper. Nachts wandert Maya weg, um dann am nächsten Tag wieder mit der First Ladies Familie zurückzukehren. Grace kommt auch wieder mit ihrer Familie vorbei. Diesmal steht sie ganz einfach schweigsam herum und scheint nicht mehr angespannt zu sein. Am dritten Tag nach Eleanors Tod sammeln sich verschiedene Aasfresser wie Löwen und Hyänen am Tierkadaver und am vierten Tag kommt Maya wieder in die Nähe der Leiche für anderthalb Stunden, während die Löwen ihn immer noch verspeisen. Am fünften Tag wird der Kadaver beschnuppert und abgetastet von einer weiteren unbekannten Elefantenkuh. Am sechsten Tag kehrt Maya mit ihrer Familie kurz wieder zurück zum Kadaver.
Insgesamt wurde Eleanor von ihrer eigenen Familie und von 4 unterschiedlichen, nicht verwandten Familien besucht, welche ihr eigentlich nicht nahe stehend waren. Eine diesen Familien wurde in dieser Gegend sogar weniger als 3 Monate im Jahr gesichtet.
Es scheint sogar, dass Elefanten Angehörige von Verstorbenen trösten (Payne, 2003). Die Folgerung ist, dass Elefanten an kranken, sterbenden oder toten Artgenossen interessiert sind, unabhängig von der genetischen Verwandtschaft. Interesse und Hilfe beschränken sich nicht nur auf nahe Verwandte.

Wieso ist der Tod einer Matriarchin so wichtig?
Für Familien-Mitglieder ist ihr Tod ein Verlust von Fürsorge und Wissen. Während mehreren Jahren Dürre wurde beobachtet, wie die Matriarchinnen verschiedener Stämme sich vom Fluss entfernten, um Nahrung zu suchen. Ein Stamm von mehreren Familien, die durch Wilderer in ihrer Zusammensetzung verändert wurden und deswegen von jüngeren und unerfahrenen Matriarchinnen geleitet wurden, blieb aber in der Flussnähe, wo die Nahrung ausgeschöpft war (Foley, 2002).
Bei der Nahrungsmenge, die sie täglich konsumieren (150-200 kg) und der Wassermenge, die sie täglich trinken (80-160 Liter) ist es für die Elefanten sehr wichtig, jemanden in der Gruppe zu haben, der Erfahrung in der Nahrungs- und Wassersuche hat.

Sozialleben

Elefantenkühe leben in Gruppen und besitzen ein komplexes Repertoire an Sozialverhalten. Das Gruppenleben ist vorteilhaft für den Schutz, um den Nachwuchs zu unterrichten und für eine erhöhte Paarungsgelegenheit. Elefantenweibchen leben in Familien-Klans, welche meistens aus nahverwandten erwachsenen Weibchen und ihren Sprösslingen bestehen. Der Familien-Klan kann z.B. aus drei Schwestern mit ihren Jungen oder aus einer älteren Elefantenkuh mit ihren zwei Töchtern und deren Jungen bestehen. Werden junge Weibchen erwachsen, bleiben sie in der Gruppe. Nimmt die Anzahl Mitglieder des Familien-Klans zu, bildet sich eine Untergruppe (meistens aus den jungen erwachsen gewordenen Weibchen), die sich langsam vom Familien-Klan trennt. So kommt es manchmal vor, dass Verwandte getrennt sind, sich aber in einer koordinierten Weise zusammen bewegen. Gruppen von 2 bis 4 verwandte Familien die zusammen reisen, werden in English "kinship groups" genannt (Verwandtschaftsgruppen).
Geleitet wird der Familien-Klan von der Matriarchin, ein älteres Weibchen. Es scheint, dass die Matriarchin die Familie zusammenhält. Wenn diese stirbt, kann das auch zu einer Aufspaltung des Familien-Klans führen (Moss, 1988). Die Bindungen innerhalb der Gruppe sind sehr tief. Gibt es zum Beispiel eine Gefahr, bilden Elefantenkühe einen Kreis, wobei sich die Sprösslinge in der Mitte befinden.

Die Mutter-Kind-Beziehung ist sehr intensiv und lang andauernd. Jungtiere halten sich bis zum 9. Lebensjahr noch bis zu 50% der Zeit in der Nähe ihrer Mutter auf. Die Mutter-Tochter-Beziehung wird lebenslänglich aufrechterhalten.
Afrikanische Elefanten leben in so genannten "fluid, fission-fusion" Gesellschaften. Das bedeutet, dass der Kern von sozialen Gruppen aus bestimmten Individuen besteht, aber im Verlauf von Stunden oder Tagen sich diese Gruppen trennen und wieder vereinigen, oder mit anderen Gruppen zu einem grösseren Klan fusionieren können. Neuste Forschungen haben ergeben, dass es die genetische Verwandtschaft ist, die im Voraus bestimmt, wie sich eine Gruppe spaltet oder fusioniert. Bei der Spaltung einer Kern-Gruppe (in Englisch "core group") bleiben erwachsene Kühe mit den mütterlichen Verwandten ersten Ranges. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Kern-Gruppen miteinander fusionieren, ist viel grösser, wenn die ältesten Kühe der jeweiligen Gruppen miteinander verwandt sind. Auch Gruppen, deren ursprüngliche mütterliche Verwandte schon seit Jahrzehnten verstorben ist, neigen zur Fusion (Archie, 2006). Bei den weiblichen Tieren spielt die Verwandtschaft also eine Schlüsselrolle bei der Gruppenbildung.

Afrikanische erwachsene Elefantenbullen neigen zur Gruppenbildung. Die Anzahl Mitglieder und die Komposition dieser kleinen Gruppen wechseln aber ständig und die Bullen verbringen auch kurze Zeiträume alleine. Asiatische Elefanten leben in Gruppen von 2-10 Tieren (Elefantenkühe und Nachwuchs). Männliche Jungen verlassen die Gruppe im Alter von 6-7 Jahren und sind als erwachsene Bullen Einzelgänger.
Während der Geburt sammeln sich andere Elefantenkühe um das Neugeborene (siehe Fig. 2). Manche helfen die fötale Membran zu entfernen, andere helfen dem Neugeborenen aufzustehen. Junge Elefantenkühe, welche in Englisch "allomothers" genannt werden, spielen eine Schlüsselrolle in der Aufzucht der Jungen. Sie erhöhen die Überlebenschance der Jungen und gleichzeitig gewinnen sie Erfahrung für später, wenn sie selber Mütter werden.

Ankettung während der Geburt

Dass Elefantenkühe während der Geburt an allen vier Gliedmassen angekettet werden, könnte sich später als problematisch erweisen (Fig. 1). Die Mutterkuh wird angekettet, weil die Pfleger nicht wissen, wie sie und die anderen Elefanten sich verhalten werden. In der Natur aber helfen die "Hebammen", nahverwandte Elefantenkühe, bei der Geburt. Dies stärkt die sozialen Bindungen, auch vom Jungtier gegenüber den Erwachsenen der Gruppe, was sehr wichtig ist, um Unfälle zu vermeiden.
Indy wurde 2002 im Zoo Zürich aus Sicherheitsgründen angekettet, um zu verhindern, dass sie eventuell in Panik gerät und das Elefantenkalb (Chandra) oder die Elefantenpfleger attackieren würde. Das war nicht der Fall, stellte man im Nachhinein fest.
Im Jahr 2005 hingegen wurde ganz unerwartet Fahra geboren, die Tochter von Ceyla. Nicht in der Nacht in einer Wurfbox, sondern kurz vor 9 Uhr vormittags im Aussengehege. Die Geburt dauerte nur wenige Minuten, und nach kurzer Zeit stand Fahra noch etwas unsicher, auf ihren Beinen inmitten der ganzen Kuhgruppe, die einen schützenden Kreis um das Neugeborene und ihre Mutter bildeten.



Fig. 1 Geburt angekettet, Zoo Zürich (2002)

Fig. 2 Ausnahme: Geburt frei im Aussengehege Zürich (2005)

Fotos aus http://www.upali.ch/geburt.html

Die beste Bereicherung in der Elefantenhaltung in Gefangenschaft ist das Vorhandensein zahlreicher anderer Elefantenkühe jeder Alterskategorie. Manchmal genügt es nicht, die Elefanten zu beschäftigen, indem man z.B. in Zoos die Nahrung versteckt. Um das stereotypische Verhalten zu reduzieren sind auch soziale Kontakte wie das Spielen, Kämpfen und Umwerben wichtig. Jungtiere sind in Gefangenschaft wahrscheinlich die beste Bereicherung oder Beschäftigung, die es gibt. Sie ermöglichen den erwachsenen Elefanten eine breite Palette an Verhalten wie spielen und "allomothering" auszuleben. Bei Gefahr z.B. wird die Herde in Gefangenschaft genauso wie in der Wildnis einen Kreis um die Jungtiere bilden. Das ist nur möglich, wenn die Elefanten in Gruppen gehalten werden, aber zu oft bestehen diese aus zu wenigen Tieren.

Herdengrösse in Gefangenschaft

Im Jahr 2000 halten laut der ISIS Datenbank (International Species Information System) weltweit mehr als 80 % der Zoos kleine Gruppen von nicht mehr als 5 asiatischen Elefanten, wobei die Zirkusse nicht berücksichtigt wurden. Die grösste Herde zurzeit (Oktober 2006) in Europa besteht aus 15 Tieren im Zoo Benidorn (Spanien), 14 Tiere befinden sich im Emmen Zoo (Holland) und 14 Tiere im Zoo Köln (Deutschland).
Die letzten zwanzig Jahre haben viel zum Fachwissen über Elefanten beigetragen. Anhand der Errungenschaften über das komplexe Sozialverhalten der Elefanten sollten Zoos und Zirkusse kooperieren und weniger, aber grössere in Gefangenschaft gehaltene Elefanten-Herden erzielen. Das würde das Fortpflanzungspotential der Tiere erhöhen und ihnen ein normales Verhalten ermöglichen (Rees, 2000)

Problem "Sozialleben" Gefangenschaft

Im Zirkus können die Elefanten nicht freiwillig wählen zu welcher Gruppe sie zugehören wollen. Die Gruppenbildung wird vom Menschen reguliert und die Gruppengrösse ist meist zu klein. Die Tiere sind oft nicht miteinander verwandt. Matriarchin ist nicht mehr die älteste und die meist erfahrene Elefantenkuh. Im Jahr 2006 sind sechs Elefanten mit dem Zirkus Knie unterwegs. Zwei davon vertragen sich nicht besonders gut mit den anderen. Rani 1982 in Burma geboren lebt seit 1990 im Zirkus Knie. Auf dem Informationsposter des Zirkusareals (Fig. 3) steht, dass sie eine unterwürfige Einzelgängerin und Aussenseiterin sei, die Abstand von den anderen Elefanten halte. Leicht schreckhaft und manchmal in den Aufführungen gar übereifrig. Dass sie eine Einzelgängerin ist verwundert, denn Elefanten sind Gruppentiere. Zudem steht, dass sie in falschen Händen zu einem unberechenbare Tier werden könnte. Dasselbe gilt für Siri (geb. 1963). Auf dem Informationsposter (Fig. 3) steht, dass sie sich nicht mit allen anderen Elefanten verträgt und dass sie in der Herde rasch nervös wird. Vielleicht wären diese beiden Elefanten in einer Gruppe besser integriert wenn sie, wie in der Natur, aus Verwandten bestehen würde.
Im Zirkus Wendel Huber befinden sich nur zwei afrikanische Elefanten, obwohl sie in Afrika in viel grösseren Gruppen leben. Zudem benützen afrikanische Elefanten ein Areal von 10 km2 in Tanzania und bis zu 18'000 km2 in Namibia (fast die Hälfte der Gesamtfläche der Schweiz). Laut einer Studie, legen afrikanische Elefanten in Kenia pro Tag im Durchschnitt eine Strecke von 3 km (bei reichlichem Wasservorkommen) bis zu 12 km (im nördlichen Trockengebiet) zurück. Auf der Internetseite des Zirkus Wendel Huber steht über die zwei Tiere, dass die eine, Somali, misstrauisch und vorsichtig sei, währenddessen die andere, Mocamba, beim Essen alleine sein möchte.

Fig. 3 Poster fotografiert im Knie-Zoo, Berner Allmend (August 2006)

Kettenhaltung während der Nacht im Zirkus

Die Ruhezeiten der Elefanten sind erstaunlich kurz. In der Natur sind sie bis zu 18 Stunden täglich, selbst in der Nacht, mit Fressen und Wandern beschäftigt. Nachts schlafen sie nur 2 bis 3 Stunden. In einer modernen Elefantenhaltung werden die Tiere über die Nacht nicht angebunden. So kann sich jeder Elefant hinlegen wo er will und seinen Nachbarn wählen. Da der Platz aber für Zirkuselefanten beschränkt ist werden sie nachts im Zirkus Knie angekettet. So müssen sie während der restlichen Zeit, in der sie nicht schlafen, am selben Platz stehen, an dem sie den Darm entleeren und urinieren. Lange im Kot und Urin zu stehen verursacht bei Elefanten Fussprobleme (Friend & Parker, 1999). Weil nachts nicht gemistet wird, sehen die Tiere am Morgen dementsprechend verschmutzt aus. Zudem können Elefanten auch unter schlaflosen Nächten leiden, wenn sie neben dem "falschen" Nachbarn, den sie nicht sehr mögen, angekettet werden (Aussage eines Elefantenpflegers, der zwanzig Jahre für den Zoo Zürich tätig war und auch ein Jahr für den Zirkus Knie), http://www.upali.ch/schlaf.html.

Dank der Entwicklung einer mobilen Grabenabsperrung werden die Elefanten im Zoo Zürich seit 1994 nachts nicht mehr angekettet.

Spezialfall: Musth

Asiatische Elefantenbullen gehen erstmals im Alter von 20 Jahren in eine Phase, die "Musth" genannt wird. Afrikanische Elefanten tun dies meistens nicht vor dem 29. Lebensjahr, und das Phänomen ist nicht so ausgeprägt wie bei den asiatischen.
Die jährliche Musth ist so etwas wie eine Vorbereitungszeit für die grosse Konkurrenz um die fruchtbaren Weibchen. Musth bedeutet auf Hindi oder Urdu "berauscht" und beschreibt den extremen physiologischen Zustand der Bullen. Denn die Erhöhung der Testosteronkonzentration im Blut von Tieren, die in Musth sind, beträgt mehr als das 20fache.
In der Zeit der Musth verringert sich die Futteraufnahme der Bullen, sie sind rastlos, aggressiv, tätigen häufige und weiträumige Ortsveränderungen und suchen fruchtbare Weibchen auf. Musth-Bullen sind häufiger in Kämpfe involviert und manchmal enden diese mit dem Tod eines Streiters. Bei Bullen-Kämpfen gewinnt oft derjenige, der in Musth ist, auch wenn dieser kleiner ist. Erfolgreiche Paarungen sind jedoch auch für Bullen ausserhalb der Musth möglich.
Die Haltung ändert sich während der Musth. Der Kopf sowie die Ohren, welche noch zusätzlich ausgebreitet werden, werden höher als normal "getragen". Durch eine Art tiefes pulsierendes Brummen wird den anderen Elefanten mitgeteilt, dass sie sich in Musth befinden. Die Schläfendrüsen schwellen an und sondern ein öliges Sekret aus. Auch der Urin sondert Pheromone ab, welche mitteilen, dass sie sich in Musth befinden.
Erwachsene Bullen (bis 35 Jahre) bleiben für etwa 60 Tage in Musth. Wann die Musth stattfindet und wie lange diese andauert, ist auch davon abhängig, ob grössere Bullen in Musth anwesend sind oder nicht. Das Auftreten der Musth wird unter anderem durch die Konkurrenz zwischen den Bullen eines Gebietes beeinflusst, so dass nicht gleichzeitig mehrere Bullen in Musth sind.
In zwei National Parks in Süd Afrika (Pilansberg National Park and Hluhluwe-Umfolozi Park) haben junge Elefantenbullen zahlreiche Nashörner getötet. Diese verwaisten Elefantenbullen waren in Abwesenheit älterer Elefantenbullen herangewachsen. Sie stammten aus dem Krüger Park. Dort hatte man in den 80er Jahren selektive Schlachtungen (in Englisch "Culling") vorgenommen, um die Populationsgrösse unter Kontrolle zu halten. Denn in manchen "geschlossenen" Reservaten vermehren sich die Elefanten zu sehr, ohne dass sie die Möglichkeit bekommen, neue Areale zu nützen. Als Resultat wird die Nahrung knapp und der Mensch greift zum "Culling" als Regulationsmassnahme.
Diese Jungtiere waren viel früher als gewöhnlich in die Musth-Phase eingetreten. Anstatt sie zu töten, liessen Forscher eine Gruppe von alten Elefantenbullen in den Nationalpark. Das blosse Erscheinen der gewaltigen Männlichkeiten verschüchterte die jungen Bullen und ihre Aggressivität wurde so gebändigt.

Musth: Aggression in Gefangenschaft

Im Zoo Zürich darf Maxi, der Elefantenbulle (geboren 1969/70), nur unter Aufsicht mit den Kühen zusammen sein. Damit können Unfälle mit den Elefantenkühen vermieden werden. Der Bulle ist jedes Jahr vier bis sieben Monate in Musth. In dieser Zeit greift er Pfleger und Elefantenkühe an, weshalb er in dieser Periode alleine gehalten wird. Auf der Informationstafel des Zoos steht auch, dass das keine Strafe sei, denn auch in Asien lebten Bullen oft als Einzelgänger?
Viele Zirkus-Elefantenbullen wurden an Zoos weggegeben oder erschossen, wenn sie in Musth gingen. Während der Musth ist die Gefahr für menschliche Pfleger hoch.

Kommunikation über grosse Distanzen

 

Rapperswil, 2006

Elefanten können mit akustischen, visuellen, chemischen und taktilen Signalen miteinander kommunizieren. Zudem können sie auch Vibrationen wahrnehmen. Über grosse Distanzen kommunizieren Elefanten, wie auch manche Wale mit Infraschall-Lauten (Schallwellen mit sehr niedriger Frequenz). Für das menschliche Ohr ist Infraschall nicht wahrnehmbar. Gemäss Daten vom Amboseli Park in Kenya sind afrikanische Elefantenweibchen im Durchschnitt nur 2-4 Tage alle 5 Jahre fruchtbar (wenn sie befruchtet wurden und das Junge aufziehen), ansonsten 2-4 Tage während einem Zyklus von 4 Monaten. Somit wird bei frei lebenden Elefanten die Kommunikation über grosse Entfernungen für die Fortpflanzung sehr wichtig. Wenn ein Weibchen fruchtbar wird, stösst sie eine Serie von kraftvollen tiefen Lauten aus. Diese niederfrequenten Laute, welche sich meistens nicht mehr im Hörbereich des Menschen befinden, können eine grosse Distanz zurücklegen. Die Bullen werden so über den Zustand des Weibchens informiert und eilen aus verschiedenen Entfernungen und allen Richtungen zu ihr.
Playback Experimente haben gezeigt, dass Laute von 119dB (SPL) stark genug sind, um tagsüber Antworten von Elefanten aus einer Distanz von 4 km auszulösen. Abends, wegen atmosphärischen Verhältnissen, die mit der Temperatur zu tun haben, können die Laute noch grössere Entfernungen erreichen. Man vermutet eine Reichweite von 30-300 km2.
Infraschall-Laute werden nicht nur für die Fortpflanzung benützt, sondern auch für die Kommunikation wie im Falle von Gefahr, so dass selektiv einige Elefanten herbeieilen, um den in Not geratenen Tieren zu helfen. Afrikanische Elefanten können Laute bis zu einer Entfernung von 2,5 km erkennen und sie einem Familienmitglied oder Gruppenangehörigen zuordnen. Bei grösseren Distanzen sind die Laute immer noch hörbar, aber nicht mehr gut identifizierbar.
Übermittelt werden Informationen über ihren physiologischen (z.B. hormonell/sexuell, Körperkondition, Identität) und emotionalen (z.B. ängstlich, fröhlich, wütend, aufgeregt, spielerisch) Zustand. Es werden auch spezifische Aussagen über ihre Absicht und ihre Wünsche kommuniziert.
Manchmal koordinieren verwandte Familien während Wochen ihre Bewegungen über eine Distanz von mehreren Kilometern ohne sich jedoch zu treffen. Dieses Verhalten könnte dazu dienen, das Nahrungsangebot nicht zu erschöpfen und trotzdem für gegenseitige Unterstützung verfügbar zu sein.

Das Stimm-Repertoire der Elefanten ist sehr gross. Wieso ist das so? Elefanten leben in komplexen Sozialsystemen. Um mit den vielen unterschiedlichen Individuen zu kommunizieren war es nötig, eine komplexe Stimmgebung zu bilden. Zweitens leben Elefanten lange. Viele soziale und ökologische Kenntnisse werden über die Jahre hinweg erworben, demzufolge kommunizieren sie eher komplizierte Gedanken. Drittens ist ihr Gehirn sehr gross. Sie sind fähig, relativ komplexe Gedankensprozesse durchzuführen und haben ein sehr gutes Gedächtnis, somit besitzen sie die intellektuelle Fähigkeit, komplexe akustische Kommunikation zu benützen.
Insgesamt schätzt die Verhaltensbiologin Dr. Joyce Poole, die das Savanna Elephant Vocalization Project in Kenia leitet, dass sich das Elefanten-Abc auf etwa 70 verschiedene Töne beläuft.
Was bedeutet eigentlich das Trompeten der Elefanten?
Das so genannte Trompeten ist allgemein bekannt, es kann Erschrecken, Aufregung, Angst oder einen bevorstehenden Angriff ausdrücken, ebenso wie Brüllen und Schreien.
Beispiel: Um jegliches Sicherheitsrisiko auszuschliessen, ist die Elefantennummer im Zirkus Knie im August 2006 an beiden Konzertabenden von Robbie Williams in Bern aus dem Programm gestrichen worden. Die Elefanten begleiteten die Musik aus dem nahe gelegenen Stadion mit einigen kräftigen Trompetenstössen. Die Elefanten hätten auf dem Weg zum Zirkuszelt das Stadion ins Sichtfeld bekommen. Wenn in diesem Moment am Robbie-Williams-Konzert das Feuerwerk gezündet worden wäre, so hätten die Elefanten das nicht gern gehabt und wahrscheinlich die Flucht ergriffen, sagte der Zirkus-Sprecher.

  • Die Elefanten besitzen die Fähigkeit einer Kommunikation über grosse Distanz, können diese im Zirkus jedoch nicht ausnützen. Verwandte Familien können nicht getrennt und doch miteinander über grosse Gebiete ziehen.

  • Ist die Bereitschaft zu wandern und lange Stecken hinter sich zu lassen ein angeborenes Verhalten? Was würde ein freigelassener Zirkuselefant machen?

Unterbeschäftigung und Platzmangel: Stereotypisches Verhalten

Nahrungssuche

Elefanten verbringen im Durchschnitt bis zu 20 Stunden pro Tag mit Nahrungssuche und -verzehr­. Asiatische Elefanten benötigen 80-160 Liter Flüssigkeit pro Tag. In trockenen Perioden graben sie Löcher in ausgetrockneten Flussbetten, um zu Wasser zu gelangen. Sie essen bis zu 400 verschiedene Arten von Pflanzen, insgesamt etwa 150 kg pro Tag. Afrikanische Elefanten konsumieren 200 bis 300 kg Nahrung pro Tag.
Elefanten wandern gerne. Es ist bekannt, dass sie bei plötzlichem Regenfall bis zu 30 Kilometer reisen, um dorthin zu gelangen, wo der Regenguss gefallen ist und anschliessend das Wachstum von Gras gefördert wird.
Afrikanische Elefanten in einer Wüstenregion Namibias benützen ein Areal von 18'000 km2, das entspricht fast der Hälfte der Gesamtfläche der Schweiz.
Neuste Studien (Radiotelemetrie) über asiatische Elefanten in Indien haben ergeben, dass Weibchen-Gruppen sich auf Flächen von 180-600 km2 und mehr bewegen, während Männchen ein Areal von 160-400 km2 benützen.

Platzmangel

Der Kinderzoo in Rapperswil hat seine Elefantenanlage ausgebaut und neu gestaltet. Die Bewegungsfläche umfasst heute 0,001 km2 (1052 Quadratmeter). Dazu kommt ein 130 Quadratmeter grosses Bad. Die Anlage umfasst Beschäftigungsmöglichkeiten, Kratzwand, Lehmsuhle und Sandbad.
Das ganze Areal des Zirkus Knie beträgt ca. 17'000 Quadratmeter (0,017 km2). Zelt, Eingangszelt, Restauration benötigen zusammen 5'000 m2, Werkstätten, Mannschaftswagen, Campingformationen und der gesamte Wagen und Anhängerpark benötigen ca. 9'000-10'000 m2. Der Zoo mit den Zirkustieren (6 asiatische Elefanten, zahlreiche Pferde, Ponys, Zebras, Zwergziegen, Hängebauchschweine, Lama, Guanaco, zweihöckerige Kamele und noch weitere) befindet sich auf 2?000-3'000 m2. Diese 0,002 bis 0,003 km2 ist die Wohnfläche für alle Tiere, nicht nur für die 6 asiatischen Elefanten, welche in der Natur ein Terrain von 180 bis zu mehr als 600 km2 bewohnen.
Laut einer neuen Studie von Clubb & Mason (2006) konnte bei Raubtieren in Gefangenschaft das stereotypische Verhalten und die Totgeburten signifikant vorausgesagt werden, anhand des Verhaltens ihrer Artgenossen in der Wildnis (Grösse des Lebensraumes und Strecken, die sie täglich zurücklegen). Unwichtig dagegen war die Art der Nahrungssuche (z.B. Jagen). Eine Lebensführung auf grossen Lebensräumen in der Natur bewirkte eine relativ hohe Sterberate der in Gefangenschaft geborenen Jungtiere. Deswegen kamen Clubb & Mason zum Schluss, dass man für eine Verbesserung der Haltung in Gefangenschaft auf die Lebensführung (Platzbedarf) in der Wildnis achten sollte. Priorität hat nicht die Gestaltung des Geheges, sondern der Platzbedarf des entsprechenden Tieres in Freiheit.

Unterbeschäftigung

"Im Zoo besitzen die Elefanten einen Mini-Lebensraum. In ihrem kleinen "Reservat" finden sie alle Dinge, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Es bedarf keiner langen und erschöpfenden Wanderung mehr, um nach Nahrung oder Wasser zu suchen. Eine ausgewogene und reichliche Ernährung sowie Wasser stehen immer bereit..."
(Werbung des Zoo Basel auf dem Internet)

Das ist gut gemeint, aber ist es für die Tiere wirklich gut?
Dieser Zeitvertrieb, dreiviertel ihrer Zeit mit Nahrungssuche und -verzehr zu verbringen, ist in Gefangenschaft nicht mehr möglich. Zwischen den Aufführungen im Zirkus breitet sich Langeweile, Unterforderung und Beschäftigungsmangel aus. Das ist ein grosses Problem bei Elefanten in Gefangenschaft. Zudem leiden sie oft an Übergewicht.
Wildschweine und Schweine verbringen bis zu 70 % der Tagesaktivität bei der Nahrungssuche. In der Natur ist ihre Nahrung in kleinen Mengen in Bodennähe, auf oder im Boden zu finden. In der Stallhaltung wird den Schweinen konzentriertes und aufbereitetes Futter verabreicht. Dieses wird in kurzer Zeit aufgenommen, so dass der Drang sich zu beschäftigen (Futtersuche und Futteraufbereitung) nicht befriedigt wird. Stehen keine Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung, können Verhaltensstörungen auftreten wie Stangenbeissen, Leerkauen (v.a. Sauen) und Schwanzbeissen (v.a. Mastschweine).
Wenn man bedenkt, dass Beschäftigungsmangel bei Schweinen zu Kannibalismus führt, als eine Art Ventil, um den Frust der Langeweile herauszulassen, wird ersichtlich, wie sehr die Tiere darunter leiden.

Stereotypisches Verhalten

 

Film 1 Stereotypisches Verhalten (Zoo Rapperswil, September 2006)

In Gefangenschaft gehaltene Tiere zeigen manchmal ein bestimmtes Verhaltensmuster wenn sie leiden (Unterbeschäftigung, Platzmangel, Mangel an Artgenossen oder Zwang, mit unbekannten Artgenossen leben zu müssen). Dieses zwanghafte und wiederholende stereotypische Verhalten zeigt sich oft bei Tieren wie Katzen, Bären und Elefanten in Gefangenschaft, indem sie im Kreis laufen, ewig am Gitter entlang hin und her gehen oder sich mit dem Körper hin und her bewegen. Wobei die Pfoten bei diesen Bewegungen manchmal sogar auf dieselben Stellen gestellt werden können.
Wenn zum Beispiel ein Elefant den Körperkontakt mit einem befreundeten Elefanten sucht und ihm das verunmöglicht wird, weil er angekettet ist, kann er zu stereotypieren beginnen. Der Elefant wird mit dem so genannten "Weben" erst aufhören, wenn er sein Ziel erreicht hat, d.h. den befreundeten Elefanten berühren kann oder wenn ihn ein neuer Reiz ablenkt. Wenn er nun aber auch diesen Schlüsselreiz nicht befriedigen kann, beginnt der Kreis der Enttäuschungen von vorne und der Elefanten wird so zu einer traurigen und frustrierten Kreatur (aus http://www.upali.ch/stereotypien.html).
Vierzig Prozent aller europäischen Zoos weisen stereotypisches Verhalten der Tiere auf.
Das hin und her Bewegen von Kopf und Körper (Schaukeln) kommt bei Elefanten in freier Wildbahn nicht vor. Elefantenpfleger nennen das Schaukeln "Weben", und davon gibt es verschiedene Arten. Manche Zoo- und Zirkuselefanten bewegen ihren Körper nur leicht von einer Seite zur anderen oder von vorne nach hinten, ohne die Füsse zu heben. Andere weben breitbeinig und raumgreifend von links nach rechts und schwingen dabei ihren Rüssel.
Es gibt auch Elefanten die ihren Kopf schnell im Kreise drehen oder immer wieder einen Schritt nach vorne und nach hinten machen.
Interessantes hat eine Studie von Professor Dr. Ted Friend (1999), Leiter der Abteilung "Euthenics" (Wissenschaft, die das optimale Lebensumfeld für Tiere bestimmt) ergeben. In einem amerikanischen Zirkus, der jeden Tag eine neue Ortschaft besuchte, wurde das stereotypische Verhalten von neun asiatischen Elefanten beobachtet und analysiert, vor und nachdem Änderungen in der Haltung durchgeführt wurden. Die Zirkus-Elefanten waren mit schweren Kabeln angebunden gehalten worden. In der darauf folgenden Saison hielt man sie "frei" in Laufställen (52 m2 pro Tier) mit elektrischem Zaun.
Als die Elefanten angebunden gehalten wurden war die gesamte Zeit, die sie mit stereotypischem Verhalten verbrachten negativ mit dem Alter korreliert (je jünger desto mehr stereotypisches Verhalten). Der Grund dafür war wahrscheinlich, dass ältere Elefanten weniger lang angebunden waren, weil sie zusätzlich für das Elefanten-Reiten benützt wurden. So entstand eine signifikante negative Korrelation zwischen der Zeitdauer, an der sie nicht angebunden waren und der Häufigkeit von stereotypischem Verhalten. Das heisst, je mehr Zeit sie nicht angebunden verbrachten, desto geringer war die Häufigkeit des Auftretens von stereotypischem Verhalten. Nach den Änderungen in der Haltung, von "angebunden" zu "frei in Laufställen" war der Unterschied zwischen den Altersklassen nicht mehr so ausgeprägt.
Durch die neue Haltungsart nahm die Zeitdauer, in der die Elefanten mit dem stereotypischen hin und her Bewegen von Körper oder Kopf verbrachten, signifikant ab. Auch die Häufigkeit sämtlichen stereotypischen Verhaltens (hin und her Bewegen von Körper, auf und ab Bewegen des Kopfes, wiederholtes Ausdehnen des Rüssels) nahm signifikant ab. Beide Haltungssysteme hatten jedoch Eines gemeinsam: War kein Heu (Nahrung) mehr vorhanden, nahm das stereotypische Verhalten der Elefanten zu.
Manche Dompteure waren zuerst besorgt. Sie meinten, dass das Anketten eine gute Methode sei, um die Dominanz des Menschen über das Tier zu behaupten. Sie fürchteten sich, dass durch die neu gewonnene "Freiheit" die Tiere während den Aufführungen weniger motiviert sein würden. Aber dem war nicht so. Die Dompteure berichteten, dass sie die neue Haltung in den Laufställen bevorzugten. Die Elefanten seien allgemein entspannter als vorher und ihre Motivation während den Aufführungen war gleich geblieben. Zusätzlich konnte man sie sauberer halten und ihre Hintergliedmassen waren gesünder, weil sie nicht mehr im eigenen Urin und Kot stehen mussten (obwohl das Personal praktisch immer sofort Urin und Kot entfernte). Interessant ist, wie die Elefanten reagierten, als sie anfangs des Versuches probeweise einen 40 m x 40 m Laufstall benützen durften. Manche Tiere wurden so nervös, dass ein Dompteur den Laufstall betreten und sie in einer Reihe aufstellen musste, weil sie sonst ausser Kontrolle geraten wären. Dabei befahl der Dompteur einige Kunststücke, um ihnen zu helfen, sich zu beruhigen.

Paarungsverhalten

 

Zoo Zürich, 2006

Ungefähr im Alter von 10 Jahren erreichen die Elefantenkühe die sexuelle Reife. Das kann sich aber während Dürre oder Zeiträume mit hoher Populationsdichte um viele Jahre verspäten. Elefantenkühe können etwa jede 3 oder 4 Jahre ein Junges bekommen. Wenn die Zeiten schlecht sind, gebären sie jedoch seltener. Die Schwangerschaft dauert bei asiatischen Kühen 615-668 Tage und das Neugeborene wiegt etwa 100 kg. Im Alter zwischen 25 und 45 sind sie am fruchtbarsten.
Die meisten Populationen zeigen einen jährlichen reproduktiven Zyklus, der mit der saisonalen Futter- und Wasserverfügbarkeit zusammen korreliert. Während den Dürren, wenn Futter selten ist, kommt es vor, dass Elefantenkühe vorübergehend unfruchtbar werden (nicht mehr ovulieren). Erst wenn es wieder regnet, mehr Futter vorhanden ist und das Körperfett nach 1-2 Monaten genügend zugenommen hat, kommt es wieder zur Ovulation. Somit werden Weibchen meistens während der Regenzeit fruchtbar (Östrus) und Bullen mit hohem sozialem Rang gehen auch meistens während dieser Zeit in die Musth-Phase.
Weibchen sind wählerisch. Sie scheinen einen Musth Bullen zu einem der nicht in Musth ist zu bevorzugen. Ebenso bevorzugen sie einen grossen Bullen vor einem Kleineren. Wenn das Weibchen sich mit einem bestimmten Bullen nicht paaren will, flüchtet es. Falls der Bulle sie trotzdem einholt, bleibt sie nicht still, so dass er sich nicht erfolgreich mit ihr paaren kann.

 

Film 2 Säugen eines Jungtieres (Zoo Zürich, September 2006)

Geburten und Todesfälle in der Schweiz

Unfruchtbarkeit in Gefangenschaft: Wildimporte

Amerikanische Forscher stellten fest, dass die Elefantenpopulation von nordamerikanischen Zoos sich in einem reproduktiven Niedergang befindet. Ohne Importe aus der Wildnis wird sie innerhalb der nächsten 40 Jahre nicht mehr existenzfähig sein. Wegen der hohen Sterberate bei asiatischen Elefanten in Gefangenschaft von fast 30% im ersten Lebensjahr und durch die extrem niedrige Fruchtbarkeit der geschlechtsreifen Tiere wird es in 50 Jahren nur noch etwa 10 Elefanten in Nordamerika geben, wenn keine zusätzlichen Tiere von der Wildnis importiert werden (Wiese, 2000). In Europa ist die Situation ähnlich.
Das Problem sind Elefantenkühe im fortpflanzungsfähigen Alter, deren Östrus Zyklus manchmal aufhört und sie somit unfruchtbar macht (Schulte et al., 2000). Dabei ist die Progesteron-Konzentration im Blut sehr niedrig, manchmal für den Rest des Elefantenlebens. Diese mangelnde Fruchtbarkeit wird viel öfter in Gefangenschaft als in der Wildnis beobachtet (Niemuller, 1993).
In einer dreijährigen Studie mit drei afrikanischen Elefanten eines Zoos (Schulte et al., 2000), fanden Forscher heraus, dass trotz physiologischer Gesundheit (keine Zysten im Fortpflanzungstrakt oder andere Pathologien) jede Elefantenkuh mindestens einmal keinen Östrus Zyklus mehr hatte. Die Dauer dieser Unfruchtbarkeit wurde auch vom sozialen Rang der Tiere beeinflusst. Die Unfruchtbarkeit selber konnte aber nicht nur vom sozialen Rang abhängig sein, da auch die dominanteste Elefantenkuh in einem Jahr 27 Wochen lang keinen Östrus Zyklus hatte. Die untergeordneten Elefantenkühe waren mehrmals ovarial inaktiv und somit unfruchtbar. Insgesamt hatten sie während 43 und 45 Wochen keinen Östrus Zyklus. Fünf von den insgesamt sechs Zyklus-Unterbrüchen aller Elefantenkühe fanden im Winter statt, wenn sie mehr Zeit im Stall verbrachten. Während eines Winters gab es aber gar keine Unterbrüche im Zyklus. Deswegen kann man nicht behaupten, dass der Winter für die ovariale Inaktivität verantwortlich ist. Man vermutet, die Haltung innerhalb des Stalles spiele eine wichtige Rolle. Denn durch die engen Verhältnisse im Stall, könnten mehr antagonistische (feindliche) Interaktionen stattfinden, was insbesondere für die untergeordneten Elefantenkühe nachteilig ist.

Laut Clubb & Mason (2002) sind 59.7% der asiatischen Elefanten und 83.3% der afrikanischen, die in europäischen Zoos leben, Wildfänge. Nur 19.4% der in Gefangenschaft lebenden asiatischen Elefanten und 14.7% der afrikanischen Elefanten wurden in Zoos geboren. Beide Arten vermehren sich in Gefangenschaft 10-mal langsamer als in der Natur, so dass Wildimporte immer noch nötig sind, um die europäischen Populationen aufrecht zu erhalten. Von den fruchtbaren Weibchen, die zurzeit in Europa in Gefangenschaft leben, haben nur 21% der Asiatischen und 20% der Afrikanischen ein Junges geboren. Zum Vergleich sind es in der Wildnis 95-96%. Im Durchschnitt bekommt ein Zoo-Weibchen nur ein Jungtier während ihrem ganzen Leben, währenddessen es in der Wildnis 6 Jungtiere wären. 35% der weiblichen Elefanten in Zoos bekommen nie Nachwuchs (Zirkusse wurden nicht berücksichtigt).

Künstliche Befruchtung

2006 fand im Zoo Dresden die erste erfolgreiche Elefantengeburt in Deutschland nach künstlicher Besamung statt.
Im Zoo Zürich lässt man den Bullen zum Weibchen, welches in Östrus ist. Dies jedoch nur wenn der Bulle nicht in Musth ist. Das Weibchen wird dann während 3-4 Tagen täglich gedeckt. Die natürliche Paarung findet idealerweise in Anwesenheit der ganzen Gruppe statt.
Rapperswiler Kühe (Zirkus Knie) besuchen gelegentlich Maxi, den Bullen im Zoo Zürich. Die daraus resultierenden Jungtiere dürfen während drei Jahren bei ihren Müttern bleiben. Die Jungtiere sind Bestandteil des EEPs, eines europäischen Erhaltungszuchtprogrammes.
Seit einigen Jahren besteht die umstrittene Möglichkeit der künstlichen Befruchtung. Das entspricht aber nicht einer artgerechten und modernen Elefantenhaltung. Die Fortpflanzungsmethode kann oft nur mit tierquälerischen Eingriffen durchgeführt werden. Sowohl die Gewinnung des Spermas beim Elefantenbullen als auch die Befruchtung der Elefantenkuh setzen eine harte Dressur, den direkten Kontakt, ein Crush-Cage oder Narkosen voraus.
Im Jahr 2001 wurde eine Elefantenkuh vom Zirkus Knie künstlich befruchtet, da die Begegnungen mit Maxi vom Zoo Zürich keine Früchte trugen (Artikel im Tagesanzeiger, 15. März 2001). Danach hörte man nichts mehr. Der Nachwuchs blieb aus, wie man aus der Tabelle 1 entnehmen kann. Die Dunkelziffer der Totgeburten liegt wahrscheinlich höher als aus den Recherchen zu entnehmen ist.
Der Schweizer Tierschutz STS teilt die Begeisterung des europäischen Erhaltungszuchtprogramms nicht. Würden die Zoos die rund 200 000 Franken, welche die Haltung eines Elefanten pro Jahr kostet, für ein Projekt vor Ort einsetzen, wäre mehr getan. Zudem sei die dreijährige Frist, die man Jungtieren bei ihren Müttern einräume, viel zu kurz.

Seit 1963: 18 Elefantengeburten

Tab. 1 Geburten in Gefangenschaft in der Schweiz seit 1963

Geburten in Gefangenschaft in der Schweiz seit 1963
Asiatische ElefantenAfrikanische Elefanten
Zirkus KnieZoo ZürichZoo Basel
Sahib-Fridolin (1963-1994), Bulle. Wegen seiner asozialen und verhaltensgestörten Art fand er keinen Platz in einem Zoo. Nach Aufenthalten in drei verschiedenen Zoos wurde er sehr unprofessionell getötet, im Alter von 31 Jahren Komali (1984-1995), mit 11 Jahren eingeschläfert wegen Bösartigkeit Ota (1966-1982), mit 16 Jahren wegen Bösartigkeit getötet
Madura (1965-1984), mit 19 Jahren wegen Bösartigkeit getötet. Sie hatte ihren Pfleger getötet. Totgeburt (1986) Pambo (1992), Bulle, jetzt in Österreich
Lohimi (1985-1988), mit 3 Jahren starb sie an Herpesinfektion Panang (1989), jetzt in Deutschland Totgeburt (2004)
Boy (1992), Bulle, jetzt in Japan Totgeburt (1993) 
Sandry (1999) Upali (1994), Bulle, jetzt in England  
  Xian (1997-1999), Bulle, mit 2 Jahren an Herpesinfektion gestorben  
  Aishu (2000-2003), Bulle, mit 3 Jahren an Herpesinfektion gestorben  
  Chandra (2002)  
  Fahra (2005)  
  Fahim, Bulle (2005)  

Komali, ein Elefantenweibchen, ist 1984 im Zoo Zürich geboren und nach 11 Jahren wegen Bösartigkeit getötet worden (siehe Tab. 1). Ihre Geschichte ist kein Einzelfall. Alle Elefantenpfleger, die sie im jungen Alter kennen gelernt hatte, kamen gut mit ihr zurecht. Als vertraute Elefantenpfleger das Elefantenrevier verliessen, wurden neue Tierpfleger angestellt, die aber keine Vertrauensbeziehung mehr mit ihr aufbauen konnten. 1993 erlitt sie dann eine Fehlgeburt. Die Unfälle mit Pflegern wurden immer gravierender. Nachdem Komali einen Pfleger schwer verletze wurde sie am Tag danach eingeschläfert. Der Umgang der Elefantenpfleger mit den pubertierenden und jugendlichen Elefanten stellt ein grosses Problem dar.

Von den 18 Geburten seit dem Jahr 1963 sind:

  • 3 Totgeburten

  • 3 Jungelefanten starben an Herpesinfektion (gelb)

  • 4 wurden wegen Bösartigkeit und Verhaltensstörung getötet (rot)

  • 8 leben noch heute

Somit lebt als einziger geschlechtsreifer weiblicher Elefant nur noch Panang (jetzt im Zoo München).

Sterben in jungem Alter

In der Regel leben in Gefangenschaft gehaltene Tiere, dank medizinischer Versorgung, Nahrungsangebot und Abwesenheit von Feinden, länger. In Gefangenschaft gut gehaltene asiatische Elefanten könnten 75-80 Jahre alt werden (asiatische Arbeitselefanten haben eine Lebenserwartung von 30 Jahren). Afrikanische Elefanten können in Gefangenschaft auch über 80 werden, währenddem sie in der Wildnis nur etwa 60 Jahre alt werden.
Die Lebenserwartung von Elefanten in europäischen Zoos ist laut Clubb & Mason (2002) nur 15 Jahre für asiatische und 16 Jahre für afrikanische Elefanten (Zirkusse wurden nicht berücksichtigt). Die Sterberate der in Gefangenschaft geborenen Jungtiere ist 3-mal höher als in Populationen, welche in freier Wildbahn leben.
Wenn ein in Gefangenschaft geborener Elefant das erste Lebensjahr überlebt, dann beträgt seine Lebenserwartung im Durchschnitt 21 Jahre (asiatische Elefanten) oder 18 Jahre bei afrikanischen Elefanten. Die Sterberate der asiatischen Elefanten im ersten Lebensjahr beträgt fast 30% in Gefangenschaft (Wiese, 2000).
Überlebt ein Jungtier das fünfte Lebensjahr in Gefangenschaft, beträgt die Lebenserwartung von asiatischen Elefanten 24 Jahre und 20 für afrikanische. Totgeburten sind in europäischen Zoos 5- bis 8-mal häufiger als bei asiatischen Arbeitselefanten, die in so genannten "Timber camps" in Asien (Sri Lanka, Burma etc.) leben. In Asien sind nur etwa 3% aller Geburten Totgeburten. Der prozentuale Anteil an Totgeburten ist bei Elefanten in europäischen Zoos mit 15% sogar höher als bei Nutztieren wie Kühen und Schweinen.
Bei 16,7% der in Zoos gestorbenen Jungtiere ist Infantizid die Ursache. Auch hier ist die Zahl bei Arbeitselefanten in Asien niedriger. Bei 5,8% der Geburten in Zoos wird das Jungtier abgestossen. Bei Arbeitselefanten in Asien beträgt die Zahl nur 0,5%. Grund dafür ist Stress, mangelnde Erfahrung bei der Aufzucht und eine fehlende Beziehung mit den nahverwandten Tieren wie z.B. Tanten, die in der Natur bei der Geburt mithelfen.
Totgeburten, Infantizid und Abstossung sind verantwortlich für den Tod von 74% der Jungen asiatischen und afrikanischen Elefanten in Zoos. Über 60% der Tiere, welche die Kindheit überleben, sterben dann an Krankheiten wie Kreislaufproblemen, Fussproblemen, Herpes und Tuberkulose (Clubb & Mason, 2002).

Todesfälle asiatische Elefanten in der Schweiz

  • Zirkus Knie
    Madura wurde mit 19 Jahren (1984) getötet, Lohimi ist mit 3 (1988) an Herpes verstorben, Java starb im Alter von 49 (1996) und Miniak im Alter von 53 Jahren nach einer Fussoperation im 2004 (siehe Tab. 2).

  • Zoo Zürich
    Xian und Aishu starben mit 2 und 3 Jahren im 1999 respektive 2003 an Herpes. Valaja starb mit 31 (1977), Thaia mit 22 (1988). Komali wurde mit 11 (1995) getötet und Chukha starb mit 39 im 2006 (siehe Tab. 2).

  • Die meisten Zoo-Elefanten (mehr als 60%) sterben an Krankheiten und nicht am Alter. Kreislaufprobleme wie Herzinfarkte zählen zu den häufigsten tödlichen Krankheiten und sind für 11,4% bis 20% der Todesfälle verantwortlich (Clubb & Mason 2002). Die Ursachen von Kreislaufproblemen sind Übergewicht, mangelnde Bewegung und Stress. Todesfälle, die nachweislich durch haltungsbedingte Defizite hervorgerufen werden, sind: Wegen Aggression getötet, Unfall durch Grabensturz, Tod durch Fussprobleme. Zusammen ergeben diese über 25% der Todesursachen in Gefangenschaft. Fussprobleme würden noch viel öfters auftreten, wenn nicht eine ständige Fussbehandlung stattfinden würde (Elefanten-Schutz Europa, 2002).

Bestand asiatische Elefanten in der Schweiz (2006)

Tab. 2 (PDF:Asiatische-Elefanten-CH-2006.pdf;38KB)


 

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