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Haltungsbedingte Krankheitsbilder
Die Gesundheit von Elefanten in Gefangenschaft ist von verschiedenen Faktoren, wie Ernährung und Haltung abhängig. Infektiöse Krankheiten von Elefanten sind zum Beispiel Tuberkulose, Salmonellose, Pocken, Tetanus und das Herpesvirus, welches in Gefangenschaft oft zum Tod des Elefanten führt, vor allem Jungtiere sind betroffen. Parasitäre Krankheiten sind zum Beispiel Magen-Myasis (Madenfrass), Trypanosomiasis (Schlafkrankheit), Läuse und Zecken. Nicht infektiöse Krankheiten sind Fussprobleme, Gelenkrheumatismus, Herz- und Gefässerkrankungen und Fortpflanzungsprobleme.
Sowohl die asiatischen als auch die afrikanischen Elefanten erkranken an denselben Krankheiten, wobei aber jede Art für gewisse Erkrankungen prädisponiert ist. So leidet der asiatische Elefant häufig an Fussproblemen, währenddessen afrikanische Elefanten anfälliger für Salmonellose sind. So ist zum Beispiel der Zugang zu Wasser und Schlamm für asiatische Elefanten sehr wichtig. In ihrer natürlichen Umgebung verbringen sie in Flüssen oder Tümpeln zahlreiche Stunden pro Tag, was ihnen hilft ihre Füsse gesund zu halten.
Fusserkrankungen
86 Füsse von 24 asiatischen (Elephas maximus) und 9 afrikanischen (Loxodonta africana) Elefanten wurden makroskopisch erfasst und 727 Gewebeproben von definierten Stellen des Zehendenorgans histologisch untersucht. Die makroskopische Anatomie zeigt einige Unterschiede zwischen den zwei Arten sowie zwischen Wildtieren und den in Gefangenschaft gehaltenen Elefanten. Ein wichtiger Befund ist die vergleichsweise dünne Hornschicht an Sohle und Ballen der Zooelefanten (ca. 10mm).
Die Morphologie der Füsse ist auch geprägt von Unterschieden des Körperbaus und des Lebensraumes der beiden Elefantenarten. Die histologischen Befunde sind in der Lage, einige der Fussprobleme der Elefanten zu klären, werfen aber auch Fragen zu heutigen Haltungssystemen auf (Dissertation von Dr. med. vet. Andreas Benz, 2005).
In Knies Kinderzoo in Rapperswil ist 2004 die Elefantenkuh Miniak im Alter von 53 Jahren gestorben. Sie erholte sich von einer unter Vollnarkose durchgeführten Operation am Fuss nicht. Miniak war das älteste Tier der elfköpfigen Elefantengruppe der Schweizer National-Circus AG. Laut einem Communiqué war Miniak während Jahrzehnten Teil von Zirkusdarbietungen bei Knie.
In einer Studie von Mikota (1994) in 69 Zoos betrafen die Fusserkrankungen 50% der Elefanten. Am meisten traten Risse im Nagel oder in der Nagelhaut, Abzesse und Verletzungen auf. Laut Schmitt (2003) und Csuti (2001) leiden 50% der in Gefangenschaft gehaltenen Elefanten irgendwann in ihrem Leben an Fussproblemen.
West (2001) fand heraus, dass Nagelinfektionen am meisten auftreten. Diese können ernste Folgen wie Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung) bewirken. Dabei sind die Vorderfüsse mehr betroffen als die hinteren, weil sie mehr Gewicht tragen (verursacht durch den Schädel). Da spielt auch Übergewicht eine wichtige Rolle.
Fowler (2001) beschreibt die prädisponierenden Faktoren der Fussprobleme als Folgende: Mangelnde Bewegung, Überwachsen der Nägel und/oder Fusssohle, ungeeignete Oberfläche des Geheges (zu hart, nass), ungenügende Fusspflege und unhygienische Gehege, geerbte schwache Fussstruktur, schlechte Ernährung und Funktionsstörungen des Skelettes (Arthritis). Die Hauptursachen für das Einschläfern von Elefanten sind laut Fowler Arthritis und immer wiederkehrende Fussinfektionen. Die Heilung der meisten Fusserkrankungen dauert mehrere Wochen bis Monate.
Laut Literatur treten folgende Fussprobleme am häufigsten auf:
Risse im Horn. Oberflächlich, können aber auch den lebenden Teil des Hufes und die Sohle betreffen. Sie brauchen Monate, um zu heilen und tendieren dazu wiederzukehren. Sie vergrössern sich durch die Belastung des Gewichtes des Elefanten und sind manchmal mit Bakterien und Pilzen infiziert.
Ursache: schlechte Ernährung, schlechte Hornqualität, Überwachsen der Nägel, Nagelverletzung, Belastung durch harte und nasse Böden, Übergewicht.
Abzesse (Eiteransammlung an Nagel, Ballen und Sohle).
Ursache: durch kleine Verletzungen befallen Bakterien das tiefer gelegene Gewebe. Diese Infektion durch Fremdkörper kann von spitzen Gegenständen wie Nadeln und Steinen verursacht werden. Werden sie nicht behandelt, können sie zu ernsten Folgekrankheiten führen.
Hufrehe (Entzündung der Huflederhaut, Laminitis) ist eine heftige Lahmheit begleitet von hohem Fieber, Herzklopfen und einer Unfähigkeit zu stehen.
Ursache: Anhaltende Arbeit, Abkühlung von erschöpften Tieren, Überfütterung. Eine chronische Laminitis resultiert durch die Haltung von Elefanten auf zu hartem Boden und durch die Fütterung von zu vielen löslichen Kohlenhydraten, was zur Azidose führt.
Fussfäulnis. Führt im schlimmsten Fall zur Zerstörung von Nägel, Sohle und Ballen und zu Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung), wenn die Infektion tief in den Fuss gelangt.
Ursache: Unhygiene. Längere Zeit auf dreckigen Oberflächen stehen zu müssen (Nässe mit Urin und Kot vermischt) ist die häufigste Ursache. Auch zu wenig Fusspflege, zu wenig Bewegung, Risse und überwachsene Nägel gehören zu den Ursachen. Dieses Problem wurde auch in der Wildnis in Afrika und Asien beobachtet. Dort waren die Ursachen vor allem die Dürre und der Kot und das Urin, welche die seltenen Wasserquellen verunreinigten.
Übermässiges Wachstum der Horns. Die Nägel breiten sich weiter als die Sohle aus und deformieren sich. So werden Risse, Infektionen und andere Fussprobleme begünstigt.
Ursache: Mangelnde Bewegung oder unsachgemässes Nägelschneiden seitens des Pflegers, Haltung auf nassen Oberflächen.
Exungulation. Teilweise oder ganze Ablösung des Nagels z.B. nach schweren Fuss- und Gelenkkrankheiten, Pocken und Überbelastung.
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Fig. 4 Pododermatitis, Entzündung dr Haut des Fusses Quelle: Andreas Benz (2005). The elephant's hoof: Macroscopic and microscopic morphology of defined locations under consideration of pathological changes, Dissertation, Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich; Seite 17 |
Herpesvirus bei asiatischen Elefanten
Nach der Ansteckung des Elefanten mit dem Herpes, zieht sich der Virus zuerst in die verschiedensten Organe zurück und ist inaktiv. Der Ausbruch des Herpesvirus wird oft mit Stress in Zusammenhang gebracht. Stress wird auch von zu kleinen Platzverhältnissen verursacht.
Die 3 jungen Elefanten Lohimi, Xian und Aishu starben in einem Alter zwischen 2 und 3 1/2 Jahren (siehe auch: Geburten und Todesfälle in der Schweiz). In diesem Alter beginnt die Entwöhnung von der Muttermilch.
Wenn dazu noch eine weitere Aufregung kommt, kann dies Stresssymptome auslösen, welche den Ausbruch des Herpesvirus begünstigen. Der Stress kann die Immunabwehr schwächen und gibt dem Virus so die Möglichkeit, sich sehr schnell zu vermehren. Lohimi wurde sehr früh von ihrer Mutter getrennt und in Zirkusnummern integriert.
Und Aishu litt unter der sozialen Spannung, die zwischen den Elefantenkühen des Zürcher Zoos herrschte. Wegen den engen Platzverhältnissen im Innenstall kam es oft zu nächtelangen Streitereien und Kämpfen, in die seine Mutter Ceyla stark involviert war (siehe http://www.upali.ch/herpes.html).
Dressur und arbeitsbedingte Erkrankungen
Zusätzlich zu den Problemen der Zootierhaltung können Sehnen- und Gelenkerkrankungen auftreten. Solche Krankheiten werden mit den unphysiologischen Belastungen der Gelenke und Bänder beim Ausführen von Kunststücken in Verbindung gebracht. Aufrechtstehen oder Aufrechtgehen, Hand- und Kopfstand, einarmiger Handstand sind oft aufgeführte Kunststücke, die nicht zum natürlichen Verhalten dieser Tiere gehören.
Beim Aufrechtstehen wird das gesamte Körpergewicht nur von den hinteren Gliedmassen getragen. Diese sind nicht für solch eine hohe Belastung geschaffen. Während der Paarung von Elefanten wird diese Stellung vom Bullen zwar eingenommen, aber nur für kurze Zeit im Vergleich zum gesamten Lebenslauf. Zudem stützt sich der Bulle immer auf dem Weibchen. Arbeitsbedingte Erkrankungen sind z.B. Hernia perinealis, Bursitis praepatellaris und Tyloma olecrani bei asiatischen Zirkuselefanten.
Anatomie der Elefanten-Beine
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Fig. 5 Quelle: Macdonald David (2001), The new encyclopedia of mammals, Oxford University Press |
Das Bild zeigt wie die Phalangen (Finger und Zehen) in Fettgewebe eingebettet sind. Die Knochenstruktur der Vorderfüsse der Elefanten ist die eines Halb-Zehengänger (Pferde sind Zehengänger, ihre Ferse sind weit vom Erdboden entfernt). Die Hinterfüsse eines Elefanten entsprechen der Knochenstruktur eines Halb-Sohlengänger (Menschen z.B. sind Sohlengänger und gehen mit den Fersen auf dem Boden).
Der Vorderteil des Körpers ist sehr schwer (durch Rüssel und Kopf). Deswegen sind die Vordergliedmassen stärker ausgebildet als die Hintergliedmassen.
Fragwürdige Dressurmethoden: Elefanten-Haken
Schläge und Stiche mit spitzen Eisenhaken und Stäben an besonders sensiblen und schmerzempfindlichen Stellen (siehe Fig. 6 und Fig. 7): Basis des Rüsselfingers, die Schläfendrüse, die Voraugenregion, die Ohröffnung, die Region hinter dem Ohr, das Nagelbett, der Ansatz des Brustbeins, der Penis und die Penisscheide, der Anus und die darunter liegende Penismuskulatur.
Aufmerksame Besucher können das auch hier in der Schweiz beobachten. Achten sie auf die Beschaffenheit des Hakens und wie das Personal (Elefantenpfleger oder Dompteur) mit diesem und dem Elefanten umgeht.
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Fig. 6 Wunden hinter dem Ohr, für Zuschauer schwierig sichtbar (Schweiz, August 2006) |
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Fig. 7 Elefantenhaken und Peitsche (Rapperswil, 2006) |
Weiter Informationen finden Sie hier:
http://www.elefanten-schutz-europa.de/index.html
http://www.upali.ch
Das Brechen des Willens ("Crushing" Ritual)
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Fig. 8 Quelle: National Geographic (Elephants, Vol. 208, Nr. 4, Oktober 2005) |
Die Schreie eines vierjährigen Elefanten Weibchen sind die einzigen
Töne, welche die sonst ruhige Landschaft Nordens Thailands unterbrechen. Der Käfig wird "training crush" genannt und seit Jahrhunderten angewendet um junge Elefanten im Norden Thailands zu zähmen. Es ist ein kleiner Käfig aus Holz, worin ein Elefant gefesselt und bewegungslos gemacht wird. Das Tier wird geschlagen, Nägel werden ihm in die Füsse und Ohren gestochen, zudem werden Schlafentzug, Hunger und Durst benützt um den Willen des Elefanten zu brechen und ihn dem Besitzer gefügig zu machen.
National Geographic Video über das Brechen des Willens
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Fig. 9 Quelle: National Geographic (Elephants, Vol. 208, Nr. 4, Oktober 2005) |
"Die Leute hier meinen, dass sie die Kontrolle über das Tier nur erhalten, indem sie Angst und Schmerz dem Elefant hinzufügen." sagt
Sangduen "Lek" Chailert
Chailert ist eine Gegnerin des "training crush". Sie ist zuständig für "Jumbo Express", eine kostenlose tierärztliche Betreuung für solche Elefanten. Sie leitet auch eine Zufluchtsstätte für mehr als 30 missbrauchte Elefanten (Elephant Haven) in Thailand.
ACHTUNG: Diese Aufnahmen sind für Kinder nicht geeignet
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Teil1: Einbrechen (6:31min) |
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Teil2: Dressur (1:54min) |
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Teil3: Amok (1:17min) |
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Teil4: Haltung (2:11min) |
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Teil5: Fazit (2:09min) |
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